Girocard, Debit Mastercard, Visa: Warum kostet nicht jede Kartenzahlung gleich viel?

Sven Schmidt ·
Drei Zahlungskarten auf einem Holztresen mit Euromünzen und unscharfem Kassenterminal im Hintergrund.

Wenn Kunden mit Karte zahlen, läuft im Hintergrund ein komplexes System ab, das für Sie als Händler direkte Kosten verursacht. Manche Zahlungen sind günstiger, andere teurer, und das hängt nicht vom Zufall ab, sondern von der Art der Karte und dem Netzwerk, über das die Zahlung abgewickelt wird. Wer die Unterschiede versteht, kann seine Bezahllösung bewusster wählen und am Ende des Monats bares Geld sparen.

In diesem Artikel erklären wir Schritt für Schritt, wie Kartenzahlungen funktionieren, warum die Gebühren je nach Kartentyp unterschiedlich ausfallen und wie Sie als Einzelhändler die Kosten realistisch einschätzen können.

Was sind Kartengebühren und wer zahlt sie?

Jedes Mal, wenn ein Kunde mit Karte bezahlt, fließt ein kleiner Teil des Umsatzes nicht an Sie, sondern an die Beteiligten im Zahlungssystem. Diese Kosten nennt man Kartengebühren oder Transaktionsgebühren, und sie werden in der Regel vom Händler getragen, nicht vom Kunden.

Das Zahlungssystem besteht aus mehreren Akteuren: der Bank des Kunden, der Bank des Händlers, dem Kartennetzwerk und dem Zahlungsdienstleister, der das Terminal bereitstellt. Jeder dieser Beteiligten erhält einen Anteil. Als Händler zahlen Sie typischerweise eine Gesamtgebühr, die all diese Anteile bündelt.

Konkret setzt sich die Gebühr meist aus zwei Teilen zusammen: einem prozentualen Anteil am Umsatz und einem festen Betrag pro Transaktion. Zahlt ein Kunde also 10 Euro, können zum Beispiel 0,50 Prozent des Betrags plus 8 Cent fällig werden. Bei kleinen Beträgen fällt der Fixanteil stärker ins Gewicht, bei großen Beträgen der prozentuale Teil.

Wie Girocard, Debit Mastercard und Visa funktionieren

Nicht alle Karten sind gleich aufgebaut. Die drei häufigsten Kartentypen in Deutschland unterscheiden sich grundlegend in ihrer Struktur und dem Netzwerk, über das sie abgewickelt werden.

Girocard: das deutsche Inlandsnetz

Die Girocard, früher als EC-Karte bekannt, ist eine rein deutsche Zahlungskarte. Sie wird über das deutsche Interbanken-Netzwerk abgewickelt, das von deutschen Banken gemeinsam betrieben wird. Weil dieses Netzwerk keine internationalen Zwischenstellen einbindet, sind die Kosten vergleichsweise niedrig.

Debit Mastercard und Visa: internationale Netzwerke

Debit Mastercard und Visa sind internationale Kartennetzwerke. Auch wenn eine Debit Mastercard wie eine normale Bankkarte funktioniert und direkt vom Girokonto abbucht, läuft die Zahlung über das weltweite Mastercard-Netzwerk. Das bedeutet mehr beteiligte Stellen und damit höhere Gebühren.

Wichtig zu wissen: Viele Banken stellen ihren Kunden heute standardmäßig eine Debit Mastercard oder Visa Debit aus, anstatt einer klassischen Girocard. Für den Kunden sieht das ähnlich aus, für Sie als Händler macht es aber einen Unterschied bei den Kosten.

Warum Girocard günstiger ist als internationale Karten

Der zentrale Begriff, der die Preisunterschiede erklärt, ist die sogenannte Interchange Fee. Das ist die Gebühr, die die Bank des Händlers an die Bank des Kunden zahlt, wenn eine Kartenzahlung stattfindet. Diese Gebühr wird letztlich an den Händler weitergegeben.

Für Girocard-Zahlungen ist die Interchange Fee durch Vereinbarungen zwischen deutschen Banken sehr niedrig gehalten. Bei internationalen Karten wie Mastercard oder Visa legt die EU-Verordnung zwar eine Obergrenze fest, diese liegt aber deutlich höher als bei der Girocard. Für Debitkarten gilt ein Höchstsatz von 0,2 Prozent, für Kreditkarten 0,3 Prozent. Hinzu kommen Netzwerkgebühren der Kartensysteme selbst.

Ein einfaches Beispiel: Bei einer Zahlung von 100 Euro kann eine Girocard-Transaktion weniger als 0,30 Euro kosten, während dieselbe Zahlung mit einer Visa Debit oder Debit Mastercard auf 0,50 bis über 1,00 Euro kommen kann, je nach Tarif und Anbieter. Über viele Transaktionen hinweg summiert sich dieser Unterschied erheblich.

Kartengebühren im Alltag richtig einschätzen

Aufbauend auf dem Verständnis der Interchange Fee lässt sich nun einschätzen, wie sich Kartengebühren im Tagesgeschäft auswirken. Entscheidend ist dabei nicht nur der Prozentsatz, sondern auch Ihr typischer Transaktionswert und der Anteil der verschiedenen Kartentypen in Ihrem Kundenstamm.

Ein Kiosk oder Imbiss hat viele kleine Transaktionen. Hier fällt der Fixbetrag pro Transaktion stärker ins Gewicht als der Prozentsatz. Ein Fachgeschäft mit höheren Warenkörben spürt dagegen den prozentualen Anteil stärker. Es lohnt sich, die eigene Situation konkret durchzurechnen, bevor man sich für ein Zahlungsmodell entscheidet.

Außerdem gilt: Je mehr Kunden mit internationalen Karten zahlen, desto höher sind Ihre durchschnittlichen Transaktionskosten. In Tourismusregionen oder bei jüngeren Zielgruppen, die häufig digitale Bankkonten mit Visa oder Mastercard nutzen, kann dieser Anteil deutlich höher sein als erwartet.

Häufige Missverständnisse rund um Kartenkosten

Viele Händler gehen davon aus, dass Kartenzahlung grundsätzlich teuer ist und Barzahlung immer günstiger. Das stimmt so nicht. Bargeld verursacht ebenfalls Kosten: Wechselgeld vorhalten, zählen, bei der Bank einzahlen und das Risiko von Fehlern oder Diebstahl sind reale Aufwände, die sich in Arbeitszeit und Gebühren niederschlagen.

Ein weiteres Missverständnis: Viele denken, die Kartengebühren seien für alle Karten gleich hoch. Wie in den vorherigen Abschnitten erklärt, ist das nicht der Fall. Die Unterschiede zwischen Girocard und internationalen Karten können je nach Umsatzvolumen und Tarif erheblich sein.

Schließlich glauben manche, dass sie als kleiner Händler keinen Einfluss auf die Konditionen haben. Tatsächlich gibt es verschiedene Tarifmodelle, die je nach Umsatzvolumen unterschiedlich sinnvoll sind. Wer seinen monatlichen Kartenumsatz kennt, kann gezielt das passende Modell wählen und so unnötige Kosten vermeiden.

Das richtige Kassensystem für transparente Zahlungsabwicklung wählen mit Kassenschmiede

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